

Das Vorbildinstrument befindet sich in Privatbesitz und wurde im frühen 19. Jahrhundert der modernen Spielpraxis angepasst. Auch G. P. Maggini baute seine Violinen in verschiedenen Korpusgrößen. Wobei die kleineren Instrumente eine Korpuslänge von ca. 35,2 cm besitzen und die größeren Modelle oft über 36 cm groß sind. Dieses Instrument gehört mit einer Korpuslänge von 36,8 cm zu den großen Violinen.
Konstruktiv und klanglich unterscheiden sie sich sehr von den Instrumenten der Cremoneser Schule. Die Hälse wurden nicht wie dort üblich von innen her angenagelt, sondern ragen in den Korpus hinein, wobei die Oberzargen seitlich eingeleimt wurden. Die für den Klang wichtige Wölbung ist nach einer kurzen tiefen Hohlkehle konvex gestreckt und sehr voll. Vermutlich wurden die Decken und auch die Böden gebogen, was sich durch Brandspuren an den Innenseiten belegen lässt. Durch diese Bauweise und die Wölbungsform besitzen die Instrumente meist einen kräftigen Klang.
Beim Nachbau werden alle Besonderheiten dieser Bauweise berücksichtigt, wobei die Mensur nach historischen Teilungsverhältnissen berechnet wurde. Griffbrett und Saitenhalter werden nach ikonographischen Vorbild aus hellem Holz (Ahorn) gefertigt und mit Einlagen versehen. Diese Bestandteile sind erst nach 1600 in der Malerei nachzuweisen.
Da die Verwendung umsponnener Saiten ab 1650 nachweisbar ist, eignete sich dieses Instrument dazu, es sowohl in frühbarocker Einrichtung mit tiefer stehendem Steg und reiner Darmbesaitung zu spielen, als auch es mit umsponnener g–Saite der Spielpraxis ab 1650 anzupassen. Dazu werden zwei Stege, die nach Modellen unterschiedlicher Zeit gefertigt werden, verwendet.
